AuDHD Autismus ADHS – was sagt die aktuelle Forschung?
„AuDHD Autismus ADHS – wenn beide Diagnosen gleichzeitig vorliegen. Eine Studie in Autism Research (2024) zeigt: Die Komorbiditätsrate ist höher als gedacht, und nur 15,8 % der betroffenen Kinder hatten zuvor beide Diagnosen erhalten. Was das bedeutet, verständlich erklärt.“
AuDHD – wenn Autismus und ADHS gleichzeitig auftreten
Die AuDHD Autismus ADHS Komorbiditätsrate ist deutlich höher als bisher gedacht – und nur 15,8 % der betroffenen Kinder hatten zuvor beide Diagnosen gleichzeitig erhalten. Was AuDHD bedeutet, wie es sich im Alltag anfühlt und was die Forschung wirklich zeigt.
Warum ist AuDHD Autismus ADHS so lange übersehen worden?
Lange Zeit galten Autismus und ADHS in der Psychiatrie als gegenseitig ausschließende Diagnosen – wer das eine hatte, konnte das andere nicht haben. Das war keine bösartige Entscheidung, sondern eine Konvention aus früheren Diagnosehandbüchern. Erst mit dem DSM-5 im Jahr 2013 wurde offiziell anerkannt, dass beide Diagnosen gleichzeitig gestellt werden können.
Seitdem wächst das Forschungsinteresse – und die Zahlen sind eindeutig: ADHS und Autismus überschneiden sich biologisch, genetisch und im Erleben weit mehr, als viele dachten. Für viele Betroffene war die Erkenntnis, dass sie nicht „zu viel für Autismus“ und nicht „zu wenig für ADHS“ sind, ein befreiender Wendepunkt.
Was hat die EPINED-Studie konkret herausgefunden?
Die spanische EPINED-Studie (Canals et al., 2024) ist eine der methodisch stärksten Untersuchungen zur AuDHD-Prävalenz in der Schulbevölkerung. Das Forschungsteam der Universität Rovira i Virgili befragte zunächst die Eltern und Lehrkräfte von 3.727 Kindern – davon 1.802 im Vorschulalter und 1.925 im Schulalter. Anschließend wurden 781 Kinder individuell klinisch untersucht und nach DSM-5-Kriterien diagnostiziert. Dieser zweistufige Ansatz macht die Ergebnisse besonders verlässlich.
Besonders bedeutsam ist der Befund zu den Geschlechtsunterschieden: Die Komorbiditätsrate bei Jungen lag bei 0,89 %, bei Mädchen nur bei 0,16 %. Das klingt zunächst nach einem großen Unterschied – ist aber mit Vorsicht zu interpretieren. Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass Mädchen seltener betroffen sind. Es bedeutet vor allem, dass sie seltener erkannt werden. Masking, das verdeckende Anpassen an soziale Erwartungen, spielt bei Mädchen mit AuDHD eine besonders große Rolle – und macht beide Diagnosen gleichzeitig unsichtbarer.
„Nur 16 % der Kinder mit Autismus und ADHS hatten zuvor beide Diagnosen gleichzeitig erhalten. Das zeigt, wie groß die diagnostische Lücke noch immer ist – und welche Konsequenzen das für Förderung und Unterstützung hat.“
Canals et al., Autism Research, 2024 – sinngemäß zusammengefasstWas macht AuDHD zu einer eigenen Erfahrung?
Autismus und ADHS sehen auf den ersten Blick wie Gegensätze aus. Autismus wird oft mit Struktur, Routine und Vorhersehbarkeit verbunden. ADHS mit Impulsivität, Chaos und dem Drang nach Neuem. Wenn beides zusammentrifft, entsteht ein ständiger innerer Spagat – ein Gehirn, das gleichzeitig Ordnung braucht und Ordnung sabotiert.
Routine vs. Impuls: Der autistische Teil braucht feste Abläufe für Sicherheit – der ADHS-Teil langweilt sich schnell dabei und bricht sie impulsiv.
Rückzug vs. Reizsuche: Sensorische Überlastung fordert Stille – gleichzeitig sucht das ADHS-Gehirn nach Stimulation und Neuheit.
Spezialinteresse vs. Hyperfokus: Tiefe, stabile Interessen (Autismus) treffen auf plötzlichen, unkontrollierbaren Fokus (ADHS) – der genauso abrupt endet, wie er begann.
Ich weiß, wie – aber ich tue es nicht: Exekutive Dysfunktion aus zwei Richtungen: autistische Rigidität trifft auf ADHS-Umsetzungsschwäche. Das Ergebnis: Lähmung trotz Wissen.
Menschen mit AuDHD berichten häufig, dass sie sich in keiner Gruppe ganz zugehörig fühlen: zu unruhig für autistische Communities, zu strukturbedürftig für ADHS-Gruppen. Viele beschreiben es als das Gefühl, zwei verschiedene Betriebssysteme gleichzeitig zu fahren – und beide stürzen regelmäßig ab.
AuDHD: Nicht nur Herausforderungen – auch Stärken
Autismus und ADHS bringen jeweils eigene Stärken mit. In Kombination entstehen manchmal außergewöhnliche Fähigkeiten – besonders wenn das Umfeld stimmt und die Person ihre Neurobiologie versteht.
Kreative Problemlösung
Die expansiven, schnellen Denkmuster des ADHS kombiniert mit der autistischen Fähigkeit zu tiefer, anhaltender Detailaufmerksamkeit – das kann zu außergewöhnlich kreativen Lösungsansätzen führen (Attwood & Garnett, 2025).
Hyperfokussiertes Engagement
Wenn Interesse und Struktur zusammenkommen, kann AuDHD zu beeindruckend tiefem Wissen führen. Hyperfokus verstärkt autistische Spezialinteressen – mit manchmal bemerkenswerten Ergebnissen.
Erhöhte Wahrnehmung
Beide Neurotypen bringen eine gesteigerte sensorische Sensitivität mit – was in Bereichen wie Musik, Kunst, Naturwissenschaften oder systemischem Denken zu besonderen Fähigkeiten führen kann.
Tiefe Empathie
Viele AuDHD-Menschen berichten von intensiver Empathie – auch wenn sie diese manchmal schwer ausdrücken können. Das Gespür für Ungerechtigkeiten und die Fähigkeit, „anders“ zu denken, sind echte Stärken.
Warum wird AuDHD Autismus ADHS so selten erkannt?
Die Studie zeigt: Nur etwa jedes sechste betroffene Kind hatte zuvor beide Diagnosen gleichzeitig bekommen. Das liegt an mehreren Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:
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ADHS übertönt Autismus – und umgekehrt Impulsivität, Hyperaktivität und Unruhe sind nach außen auffälliger als leise sensorische Überlastung oder soziale Erschöpfung. Wer wegen ADHS behandelt wird, bekommt den Autismus-Anteil häufig nie abgeklärt. Gleichzeitig kann autistisches Bedürfnis nach Ordnung und Routine die ADHS-typische Desorganisation nach außen hin kompensieren – und so unsichtbar machen.
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Diagnosetools sind auf eine Störung ausgerichtet Viele Screening-Instrumente wurden entwickelt, um entweder Autismus oder ADHS zu erkennen – nicht beides gleichzeitig. Das führt dazu, dass das zweite Profil systematisch untererfasst wird, besonders wenn die Person gut maskiert.
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Mädchen fallen doppelt durchs Raster Sowohl Autismus als auch ADHS werden bei Mädchen durchschnittlich später erkannt. Bei AuDHD addiert sich dieser Effekt: Masking, untypische Symptompräsentation und Diagnostiker, die auf männliche Erscheinungsbilder trainiert sind, führen zu massiver Unterdiagnose.
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Gegenseitige Überschattung der Symptome ADHS-Impulsivität kann die autistische soziale Zurückhaltung überdecken – die Person wirkt extrovertierter als ein „klassischer“ Autist. Umgekehrt kann autistisches Regelfolgen die ADHS-Impulsivität nach außen bremsen. Diese gegenseitige Maskierung lässt AuDHD oft untypisch und uneindeutig erscheinen.
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Lange Wartezeiten in Deutschland Für eine Autismus-Diagnostik im Erwachsenenbereich sind in Deutschland Wartezeiten von zwei Jahren und mehr keine Seltenheit – Wartelisten sind regional weitgehend geschlossen (Stand Juni 2025). Bei Kindern: bis zu 18 Monate in spezialisierten Einrichtungen. Wer beide Diagnosen braucht, wartet oft doppelt.
AuDHD und exekutive Dysfunktion – das zentrale Problem
Exekutive Funktionen sind die mentalen Fähigkeiten, die helfen zu planen, zu priorisieren, Zeit zu managen, Impulse zu kontrollieren und Aufgaben zu starten. Sowohl Autismus als auch ADHS beeinflussen diese Fähigkeiten – aber auf unterschiedliche Weisen.
Rigidität und Planungslastigkeit: Es fällt schwer, Pläne zu ändern. Einmal begonnene Systeme werden sehr genau verfolgt – aber der Wechsel zwischen Aufgaben ist erschöpfend.
Instabilität und Impulsivität: Pläne werden erstellt, aber impulsiv verlassen. Die Aufmerksamkeit wandert, das Arbeitsgedächtnis verliert den Faden.
In der Kombination entsteht ein besonders erschöpfendes Muster: hoher kognitiver Kontrollanspruch bei gleichzeitig fehlender Umsetzungsfähigkeit. Das innere Erleben: „Ich weiß genau, wie es gehen müsste – aber ich komme nicht ins Tun.“ Dieses Muster wird von außen häufig als mangelnde Motivation missverstanden – und ist biologisch bedingt, nicht charakterlich.
Genetik: Kein Zufall, dass beides zusammenkommt
Die häufige Überschneidung von Autismus und ADHS ist kein Zufall. Forschungen zeigen eine genetische Überlappung zwischen beiden Neurotypen – viele der Gene, die das Risiko für Autismus erhöhen, erhöhen auch das Risiko für ADHS. Beide Zustände beeinflussen ähnliche Hirnregionen, besonders den präfrontalen Kortex, der für Planung, Impulskontrolle und Aufmerksamkeit zuständig ist.
Auch die Cambridge-Studie in Nature (Zhang & Warrier, 2025) zur Genetik des Diagnose-Zeitpunkts bei Autismus ist hier relevant: Sie zeigt, dass spät diagnostizierter Autismus stärkere genetische Überschneidungen mit ADHS aufweist als früh diagnostizierter Autismus. Das legt nahe, dass Menschen, die erst im Schulalter oder später als autistisch erkannt werden, besonders häufig auch ADHS-Anteile mitbringen – und dass die Grenzen zwischen diesen Neurotypen biologisch fließend sind.
AuDHD im Alltag – was das konkret bedeutet
AuDHD ist keine Sammlung von Symptomen auf Papier. Es ist ein gelebtes Erleben, das sich in fast allen Lebensbereichen zeigt – manchmal subtil, manchmal überwältigend.
Im Studium und Beruf
Ein Spezialinteresse treibt zu stundenlangem Tiefgang – aber die Abgabe scheitert daran, dass der Anfang nicht gefunden wird. Hyperfokus-Phasen führen zu beeindruckenden Ergebnissen – Meetings, Deadlines und E-Mails gehen dabei unter. Exekutive Funktionen schwanken häufig stark: Phasen intensiven Hyperfokus können sich mit deutlicher Desorganisation abwechseln, Planung kann differenziert erfolgen, während die Umsetzung schwerfällt. Diese Inkonsistenz wird von außen oft fälschlich als Faulheit oder mangelnde Motivation interpretiert.
In sozialen Situationen
ADHS bringt den Impuls, spontan auf Menschen zuzugehen – Autismus macht soziale Interaktion gleichzeitig neurologisch aufwendig und erschöpfend. Das Ergebnis: intensive soziale Sehnsucht bei gleichzeitiger sozialer Erschöpfung. Tiefe Gespräche sind gewünscht und möglich – Small Talk ist häufig unerträglich.
In der Erholungszeit
Viele Menschen berichten von gemischten Profilen, in denen Reizempfindlichkeit und Reizsuche gleichzeitig bestehen. Das führt dazu, dass selbst Erholung komplex wird: Zu viel Stille ist schwer auszuhalten – zu viel Stimulation überfordert. Der perfekte Mittelweg ist selten und erfordert ständige Selbstbeobachtung.
Masking bei AuDHD – doppelter Aufwand
Menschen mit AuDHD maskieren oft in zwei Richtungen gleichzeitig: Sie unterdrücken autistische Stims und ADHS-Impulsivität. Dieser chronische Selbstüberwachungsaufwand erschöpft schneller und tiefer als jede einzelne Diagnose für sich – und erhöht das Risiko für autistischen Burnout erheblich.
Was hilft bei AuDHD – und was nicht
Für Menschen mit AuDHD gibt es keine universelle Lösung. Was hilft, ist individuell und beginnt häufig nicht bei der Person selbst, sondern beim Umfeld.
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Medikation bei ADHS-Anteilen Methylphenidat (Ritalin) oder andere ADHS-Medikamente können helfen, die Aufmerksamkeits- und Impulsivitätssymptome zu lindern. Bei autistischen Menschen kann die Verträglichkeit variieren – engmaschige ärztliche Begleitung ist wichtig. Für den Autismus-Anteil gibt es keine spezifische Medikation; hier stehen Umweltanpassungen im Vordergrund.
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Therapie mit Doppelblick Kognitive Verhaltenstherapie und Ergotherapie sind wirksam – aber nur, wenn der Therapeut beide Diagnosen kennt und versteht. Ein AuDHD-erfahrener Therapeut arbeitet anders als einer, der nur eine Diagnose im Blick hat. Vor einer Therapie lohnt es sich, gezielt nach Erfahrung mit beiden Neurotypen zu fragen.
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Schule und Beruf: Nachteilsausgleich für beide Diagnosen Wer beide Diagnosen hat, hat Anspruch auf Nachteilsausgleich für beide – das wird in der Praxis häufig nicht ausgeschöpft. Mehr Bearbeitungszeit, reizarme Umgebungen und flexible Strukturen helfen AuDHD-Menschen deutlich besser als Lösungen, die nur auf eine Diagnose zugeschnitten sind.
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Flexible Strukturen statt starrer Pläne Routinen als grobe Rahmen, nicht als Minutenpläne. Zeitpuffer explizit einplanen. Visuelle Hilfsmittel und externe Erinnerungssysteme, die nicht auf innere Motivation angewiesen sind. Reizreduktion in Lern- und Arbeitsumgebungen, um die doppelte Belastung zu senken.
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Community und Selbstverständnis Viele AuDHD-Menschen berichten, dass das Benennen der eigenen Kombination – und der Austausch mit anderen in der gleichen Situation – enorm entlastet. Online-Communities und Selbsthilfegruppen können ein erster Raum sein, in dem das eigene Erleben Sinn ergibt.
Frühzeitige Diagnose – warum sie so wichtig ist
Die EPINED-Studie macht es deutlich: 84 % der betroffenen Kinder hatten keine vollständige Doppeldiagnose. Das bedeutet: Förderung, Therapie und Nachteilsausgleiche werden zu spät, zu einseitig oder gar nicht angepasst. Kinder mit unerkanntem AuDHD erleben Schulalltag und soziale Anforderungen ohne die Unterstützung, die sie bräuchten.
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✓Bei ADHS-Diagnose immer auch Autismus-Screening: Und umgekehrt. Eine Diagnose ist kein Ausschlusskriterium für die andere – sie ist ein Hinweis, genauer hinzuschauen.
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✓Auf Mädchen besonders achten: Untypische Präsentation, Masking und die Tendenz, Schwierigkeiten zu verbergen, machen AuDHD bei Mädchen besonders schwer sichtbar.
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✓Eltern und Lehrkräfte informieren: Das Wissen um AuDHD-Muster – innere Widersprüche, Erschöpfung, Inkonsistenz – ist der erste Schritt zur richtigen Einschätzung.
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✓Nachteilsausgleich frühzeitig beantragen: Auch wenn die zweite Diagnose noch aussteht – bei begründetem Verdacht kann bereits eine vorläufige Anpassung beantragt werden.
Zur Studie: Alle Details
| Studiensteckbrief – EPINED 2024 | |
|---|---|
| Titel | Prevalence of comorbidity of autism and ADHD and associated characteristics in school population: EPINED study |
| Autoren | Josefa Canals, Paula Morales-Hidalgo, Núria Voltas, Carmen Hernández-Martínez et al. |
| Institution | Universität Rovira i Virgili, Tarragona, Spanien |
| Veröffentlicht | Juni 2024, Autism Research, Vol. 17(6), S. 1276–1286 |
| Datenbasis | 3.727 Kinder (Vorschul- & Schulalter), zweistufiges Design, 781 klinisch untersucht |
| Kernbefunde | Prävalenz AuDHD: 0,51 %; Jungen 0,89 %, Mädchen 0,16 %; 32,8 % der autistischen Kinder auch ADHS; nur 15,8 % hatten zuvor beide Diagnosen |
| DOI / Quelle | pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38695661 |
| Originalstudie | Wiley Online Library · doi: 10.1002/aur.3146 |
Anlaufstellen für AuDHD in Deutschland
Beratung, Diagnostik und Unterstützung
- Bundesverband autismus Deutschland e.V. – autismus.de: Beratung, regionale Anlaufstellen, Diagnostiksuche
- ADHS-Beratungsstellen Deutschland – adhs.info: Informationen, Selbsttests, Beratungssuche
- Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) – multidisziplinäre Diagnostik für Kinder, flächendeckend vorhanden; über die kassenärztliche Vereinigung der Region finden
- Autismus-Ambulanzen – oft an Universitätskliniken; spezialisiert auf Erwachsenendiagnostik und Doppeldiagnosen
- VdK Sozialverband – vdk.de: kostenlose Sozialrechtsberatung, Unterstützung bei Leistungsanträgen
- REHADAT – rehadat.de: Teilhabeberatung, Hilfsmittel, Förderung im Beruf
Mehr dazu auf autismus-ratgeber.de
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- → Komorbide Diagnosen
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- → Frühe Diagnostik
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- → Frauen & Masking
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- → Schule, Ausbildung & Beruf
- → Autismus Genetik & Diagnose
- → Das Autismus-Spektrum
- → Autismus & Angststörungen
- → Mädchen & Spätdiagnose
Was AuDHD Autismus ADHS wirklich bedeutet
AuDHD ist nicht einfach Autismus plus ADHS. Es ist eine eigene, komplexe Erfahrung – mit eigenen Mustern, eigenen Herausforderungen und eigenen Stärken. Die Forschung hat das zu lange übersehen.
Nur 15,8 % der betroffenen Kinder hatten zuvor beide Diagnosen erhalten. Das bedeutet: Die meisten Menschen mit AuDHD wachsen ohne das richtige Verständnis für ihre Neurobiologie auf. Ohne passende Förderung. Oft mit dem Gefühl, einfach nicht zu funktionieren.
Das kann sich ändern – wenn Diagnostikerinnen, Eltern und Fachleute das Bild von AuDHD kennen. Und wenn Betroffene wissen: Es gibt einen Namen für das, was sie erleben.
Häufige Fragen zu AuDHD – Autismus und ADHS gleichzeitig
Die wichtigsten Fragen zu AuDHD Autismus ADHS – verständlich und praxisnah beantwortet.
Was bedeutet AuDHD genau?
AuDHD ist ein Kofferwort aus Autismus (Au) und ADHS (DHD) und bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen beider Neurotypen. Klinisch sind das zwei separate Diagnosen: Autismus-Spektrum-Störung und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Der Begriff AuDHD kommt aus der Community und ist kein offizieller medizinischer Diagnosebegriff – aber er hilft, ein spezifisches Erleben zu benennen, das durch die Kombination beider Profile entsteht.
Ratgeber: Komorbide DiagnosenWie häufig ist AuDHD?
Häufiger als lange angenommen. Die EPINED-Studie (Canals et al., 2024) zeigt eine Prävalenz von 0,51 % in der Schulbevölkerung. Gleichzeitig erfüllten 32,8 % der autistischen Kinder auch die ADHS-Kriterien. Meta-Analysen zeigen: 20–50 % der Kinder mit ADHS erfüllen auch Autismus-Kriterien. Die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich höher – wegen systematischer Unterdiagnose, besonders bei Mädchen und Erwachsenen.
Studie auf PubMedSeit wann können Autismus und ADHS gleichzeitig diagnostiziert werden?
Seit der Einführung des DSM-5 im Jahr 2013. Zuvor schlossen sich beide Diagnosen gegenseitig aus. Viele Menschen, die vor 2013 diagnostiziert wurden, haben daher möglicherweise nur eine der beiden Diagnosen erhalten – auch wenn beide vorlagen. Eine Nachdiagnose ist in jedem Alter möglich und sinnvoll.
Wie erkenne ich, ob ich oder mein Kind AuDHD haben könnte?
Typische Hinweise auf AuDHD: ein ständiger innerer Widerspruch zwischen dem Bedürfnis nach Routine und dem Drang, sie zu durchbrechen. Intensiver Hyperfokus bei gleichzeitigem Vergessen alltagsrelevanter Aufgaben. Soziale Sehnsucht bei gleichzeitiger sozialer Erschöpfung. Reizsuche und Reizempfindlichkeit gleichzeitig. Hoher kognitiver Aufwand bei scheinbar normaler Leistung nach außen. Kein einzelner Hinweis beweist AuDHD – das Gesamtbild und eine professionelle Diagnostik sind entscheidend.
Ratgeber: Autismus-DiagnoseWarum wird AuDHD bei Mädchen so viel seltener erkannt?
Mädchen mit AuDHD maskieren oft in zwei Richtungen gleichzeitig – sie verbergen sowohl autistische Merkmale als auch ADHS-Impulsivität. Diagnosetools wurden historisch an männlichen Stichproben entwickelt. Das 0,16%-Wert bei Mädchen in der EPINED-Studie (gegenüber 0,89% bei Jungen) reflektiert nicht die tatsächliche Prävalenz – sondern die diagnostische Lücke. Eine schwedische Studie (BMJ 2026) zeigt: Das Geschlechterverhältnis bei Autismus nähert sich im Erwachsenenalter 1:1 an.
Studien-Radar: Mädchen & Diagnose Ratgeber: Frauen & MaskingWas ist exekutive Dysfunktion bei AuDHD – und wie äußert sie sich?
Exekutive Dysfunktion bedeutet, dass die mentalen Fähigkeiten für Planung, Priorisierung, Aufgabenstart und Impulskontrolle eingeschränkt sind. Bei AuDHD trifft autistische Rigidität (es fällt schwer, von Plänen abzuweichen) auf ADHS-Impulsivität (Pläne werden spontan aufgegeben). Das innere Erleben: „Ich weiß, wie es gehen müsste – aber ich komme nicht ins Tun.“ Diese Lähmung ist neurologisch bedingt, kein Zeichen von Faulheit.
Warum sind AuDHD-Menschen besonders burnout-gefährdet?
Weil sie oft doppelt maskieren: autistische Merkmale nach außen verbergen und gleichzeitig ADHS-Impulsivität kontrollieren. Dieser chronische Selbstüberwachungsaufwand erschöpft das Nervensystem schneller und tiefer als jede einzelne Diagnose für sich. Autistischer Burnout bei AuDHD kann Monate bis Jahre dauern und geht mit Fähigkeitsverlust einher.
Ratgeber: Autistischer BurnoutWelche Unterstützung steht mir mit AuDHD zu?
Mit beiden Diagnosen können beantragt werden: Nachteilsausgleich in Schule, Ausbildung und Beruf (mehr Zeit, ruhigere Räume, angepasste Formate), Schulbegleitung für Kinder (§ 35a SGB VIII), Eingliederungshilfe (Assistenz, Coaching, Begleitung), Schwerbehindertenausweis beim Versorgungsamt. Wichtig: Du hast Anspruch auf Nachteilsausgleich für beide Diagnosen – nicht nur für eine.
Ratgeber: Nachteilsausgleich Schulbegleitung beantragenWas hilft AuDHD-Menschen im Alltag konkret?
Was die Forschung und Betroffene berichten: Flexible Strukturen statt starrer Pläne. Zeitpuffer explizit einplanen. Visuelle Hilfsmittel und externe Erinnerungssysteme. Reizreduktion in Lern- und Arbeitsumgebungen. Therapeuten suchen, die beide Diagnosen kennen. Masking bewusst machen und in sicheren Umgebungen reduzieren. Und: Community suchen – das Wissen, dass andere dasselbe erleben, entlastet enorm.
autismus.de – BeratungssuchePrimärquelle:
Canals, J. et al. (2024): Prevalence of comorbidity of autism and ADHD and associated characteristics in school population: EPINED study. Autism Research, 17(6), 1276–1286. PubMed: 38695661 · doi: 10.1002/aur.3146
Weitere Quellen:
American Psychiatric Association (2024): When Autism and ADHD Occur Together · Rong, Y. et al. (2021): Meta-Analyse ADHS-Prävalenz bei ASS. Research in Autism Spectrum Disorders, 83. · Zhang, X. & Warrier, V. et al. (2025): Genetic factors in autism diagnosis timing. Nature. · Attwood, T. & Garnett, M. (2025): Beyond the Stereotypes: Biomarkers for Hidden Presentations of Autism, ADHD, and Anxiety. Biomarker Workshop Zürich. · Craig, F. et al. (2016): Executive functions in autism and ADHD. Frontiers in Human Neuroscience. · Mizuno, Y. et al. (2019): Structural brain abnormalities in comorbid ASD+ADHD. Translational Psychiatry, 9, 322.